2026

Auf dieser Seite berichten wir über vergangene Veranstaltungen unseres Vereins im Jahr 2026.

Inhaltsverzeichnis 2026


Eigenbewirtschaftung der Jagd & Wildbretvermarktung am Beispiel des Forstbetriebs Aufseß

Trotz brütender Hitze trafen sich auf Einladung des Vereins Forum Zukunftswald e.V. am Samstag, den 27. Juni 2026, etliche Waldinteressierte im Forst der Familie von Aufseß und wurden von Gregor Aas und Wolf von Aufseß (Geschäftsführer und Jagdleiter des Betriebs) zu einer Fläche mit gelungener Naturverjüngung nach schweren Bodenkäferschäden im Jahr 2023 geführt.

Durch intensive Bejagung in den letzten Jahren konnten sich hier neben Bergahorn und Buchen auch heimische Baumarten wie Eichen, Eschen und Weißtannen ansiedeln, die aber bevorzugt vom Rehwild verbissen werden, als Mischbaumarten jedoch für den Waldumbau in Zeiten des Klimawandels dringend benötigt werden.

Vor über fünf Jahren hat sich die Familie von Aufseß für die Eigenbewirtschaftung der Jagd mit regionalen Jägern entschieden, um eine optimale nachhaltige Walderneuerung durch Naturverjüngung zu erreichen.

In der anschließenden lebhaften Diskussion im kühlen alten Schafstall im Schloss Oberaufseß war es Kreisjagdberater Georg Bayer, der Argumente dafür nannte, den bisherigen Weg der Verpachtung von Jagdrevieren beizubehalten. Seit dem 1. April gibt das neue Jagdgesetz der Partnerschaft zwischen Waldbesitzern (Jagdgenossen) und Jägern mehr Freiheit für eine gemeinsame Gestaltung des Rehwild-Abschussplans. Grundlage bleibt das dreijährige Vegetationsgutachten. Georg Bayer plädierte ganz im Sinne des Vereins Forum Zukunftswald e.V. für eine intensive Kommunikation zwischen den Waldbesitzern, Jagdgenossenschaften und ihren Jägern, um den Rehwildabschuss immer wieder an die jeweilige Situation im Wald anzupassen.

Es wurde deutlich, dass die Durchführung der Jagd in Eigenregie für die Waldeigentümer oder die Jagdgenossenschaften einen hohen organisatorischen Aufwand insbesondere auch bei der Wildbretvermarktung mit sich bringt. Die erweiterten Aufgaben können jedoch innerhalb der Jagdgenossenschaft auf mehrere Schultern verteilt werden. Unabhängig davon, ob die Jagd verpachtet ist oder in Eigenregie erfolgt, zeigt sich, dass mit einer waldangepassten Jagd durchschlagende Erfolge für die Waldverjüngung und den Waldumbau erreicht werden können. Genannt wurden Beispiele seit vielen Jahren funktionierender Eigenbewirtschaftung der Jagd durch Jagdgenossenschaften, auch mit finanziellen Vorteilen durch eine optimale Vermarktung des hochwertigen Lebensmittels Wildfleisch.

Bericht: Gregor Aas
Fotos: Gregor Aas (links, rechts) und Wolf von Aufseß (mitte)


Ordentlich schlampig in Stilllegungsflächen

Die freiwillige Teilnahme am bundesweiten klimaangepasstem Waldmanagement (KWM) der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR) bietet für Leistungen im Waldnaturschutz Prämien für Waldbesitzer, wenn sie sich im Gegenzug zu nachhaltigen Maßnahmen mit Zertifikaten der bayernweiten PEFC-Agentur verpflichten. Dazu gehören neben der Ausweisung von jeweils 5 Biotopbäumen pro Hektar auch die verbindliche Stilllegung von 5% der Gesamtfläche des Waldes.

Eine Gruppe von circa 20 Teilnehmenden besichtigte am 21.05.2026 die Stilllegungsfläche der Mengersdorfer Forstverwaltung im Talgrund des Leimbachs.

Vorausgehende Generationen haben durch Entwässerungsgräben den Standort „melioriert“ und mit reiner Fichte aufgeforstet, die in den letzten Jahren zu großen Teilen vom Borkenkäfer vernichtet wurden. Nach Entfernung der Fichten und teilweiser Schließung der Entwässerungsgräben kann jetzt wieder der naturnähere Bruchwald entstehen. Alle forstlichen Maßnahmen (Holznutzung, Pflanzungen, Schutz vor Wildverbiss, …) sind untersagt, möglich nur die Jagd. Ziel der Maßnahmen ist die Rückhaltung von Wasser im Wald durch Wiedervernässung, die Speicherung von CO2 durch Anreicherung von Totholz sowie die Förderung der Artenvielfalt.

Die Exkursion konnte die bereits erheblichen Veränderungen des Biotops nach nur zwei Jahren unter sachkundiger Führung aufzeigen und wird bei Interesse auch in mehrjährigen Abständen wiederholt werden. Als Hauptkritikpunkt an den Vorgaben der Stilllegung wurden die fehlende Steuerungsmöglichkeit im Waldbau durch das Verbot von Pflege- und Wildschutzmaßnahmen eingehend besprochen. Die Entstehung eines artenreichen Mischwalds auf dem Feuchtstandort ist durch eine komplette forstliche Enthaltsamkeit in keiner Weise garantiert.

Bericht: Wolf von Aufseß
Fotos: Marianne Lauerer (links, mitte) und Wolf von Aufseß (rechts)


Zukunftsbaumarten auf dem Weg in unsere Wälder

Unterstützte Wanderung und bedachte Anreicherung

Auf Einladung des Forum Zukunftswald e.V. nahmen rund 45 Privatwaldbesitzende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie weitere am Wald interessierte Personen am 19.04.2026 an einer Exkursion in die Privat- und Kommunalwälder bei Neustadt an der Aisch teil. Dort erläuterten Dr. Christian Kölling und sein Team vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Fürth-Uffenheim die bereits sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels auf die Wälder der Region und stellten Maßnahmen des klimaangepassten Waldbaus vor, die vor Ort umgesetzt werden.

Ein Schwerpunkt der Exkursion war die intensive Diskussion über die notwendige unterstützte Wanderung von Baumarten, die bislang in Mittelfranken nicht oder nur vereinzelt vorkommen. Besonders eindrucksvoll waren die gezielt in größeren Waldbeständen angelegten und eingezäunten Lochhiebe mit einer Fläche von lediglich etwa 800 m². Auf diesen kleinen Freiflächen hat sich innerhalb kurzer Zeit eine bemerkenswert vielfältige und üppige Naturverjüngung entwickelt.

Ergänzend werden dort im Rahmen einer „bedachten Anreicherung“ gemischte Trupps verschiedener Baumarten in Form sogenannter Nelderräder gepflanzt. Dabei handelt es sich um Arten, die nach dem aktuellen Stand der Forschung als besonders geeignet für die künftig zu erwartenden Klimabedingungen gelten. Dazu zählen unter anderem die Edelkastanie, die Robinie, die Hopfenbuche als submediterrane Baumart sowie die Zerreiche.

Den krönenden Abschluss der Exkursion bildete der Besuch eines kleinen Edelkastanien-Altbestandes. Dort stehen die höchsten bislang bekannten Edelkastanien Bayerns und verdeutlichen eindrucksvoll das Potenzial dieser Baumart für die Wälder der Zukunft.

Bericht: Gregor Aas
Fotos: Julius Fischer


Waldbaunachmittag in Weitramsdorf

Im Rahmen der Initiative „boden:ständig“ veranstaltete das GeoTeam Bayreuth gemeinsam mit dem Forum Zukunftswald e. V., dem AELF Coburg-Kulmbach, der Waldkorporation Weitramsdorf und der WBV Coburger Land e. V. am 13. März 2026 den dritten Waldbaunachmittag in Weitramsdorf. Die Veranstaltung erfreute sich großer Resonanz und vermittelte praxisnah Methoden einer klimaresilienten und wirtschaftlichen Waldbewirtschaftung.

Im Gelände wurden an mehreren Stationen unter Leitung von Ottmar Ruppert und Gregor Aas (Forum Zukunftswald e.V.) die Themen Pflege von Jungbeständen, Auswahl von Zukunftsbäumen sowie die möglichst schonende Durchführung von Eingriffen behandelt. Zudem wurde die Freistellung einer Birke als Beispiel für die wachsende Bedeutung schnell wachsender Baumarten im Klimawandel gezeigt.

Weitere Schwerpunkte waren die Bewertung stabiler Waldstrukturen in Nadelholzbeständen sowie Möglichkeiten der Wiederbewaldung. Neben der Naturverjüngung wurde dabei auch die arbeitswirtschaftlich effiziente Pflanzmethode des Nelderrads vorgestellt.

Der Waldbaunachmittag stieß auf großes Interesse und förderte einen intensiven fachlichen Austausch unter den Teilnehmenden.

Bericht: Gregor Aas
Fotos: Felix Gleißner